mit gefälltem Visier
Das Visier findet sich in vielen Bildern von ANA, nicht nur in der „Dolchstoßlegende“. Ihre Bilder thematisieren Zwischenmenschliches. Und allzu oft ist die Kommunikation gestört. Das Visier als Schutz und als Hindernis, die zum Stoß erhobene Hand gegen die beschwichtigende auf den Schenkel gelegte. Die behelmte Figur taucht in vielen Bildern auf. Sie scheint ANAs bildnerisches Alter Ego zu sein. „Mit gefälltem Visier“ zieht sie weniger „den Trümmern des Himmels“ (Paul Celan) als den Zumutungen des Lebens entgegen. Die meisten Figuren ANAs agieren flächenparallel. Sie nehmen weder Kontakt mit dem Betrachter noch innerbildlich untereinander auf. ANA verarbeitet in ihren Bildern eigene Erlebnisse und Erfahrungen, Verwundungen und Kränkungen. Sie hatte studiert, spielte Geige und Klavier, nahm Gesangsunterricht. Vor der Krankheit. Sie malt mit vollem Risiko, emotional, sie malt viel und schnell. Auch Krankheit kränkt. Ihre Bilder tun es nicht: Deren „traumwandlerische Sicherheit“ (Klaus Vogelgesang) ist erarbeitet, von zehn Bildern bleibt eines und das ist gut.
ANA ist eine der ersten künstlerischen Entdeckungen im Atelier von Vitos Rheingau. Viele Ihrer großformatigen, beeindruckenden Arbeiten entstanden während akuter Krankheitsphasen und Klinikaufenthalten zwischen 1998 und 2001. Danach zog sie aus beruflichen wie privaten Gründen fort. Der Kontakt zum Atelier ist über all die Jahre erhalten geblieben. Für die Ausstellung Gratlinig hat ANA neben den Arbeiten, die Sie der Sammlung des Ateliers überlassen hat, einige Aquarelle aus jüngerer Produktion beigesteuert.
© Vitos Rheingau Atelier + Helmut Mair